26
Mrz
13

BONN STOMP #37 feat. Mama Rosin & Wild Mustang

BONN STOMP ist eine Konzertserie, die in unregelmäßigen Abständen in Bonn, meist im BLA stattfindet und dem kulturellen Niveau der etwas verschlafenen Studentenstadt auf musikalischem Sektor erheblich unter die Arme greift.  Der Veranstalter versteht es auf sehr sympathische Weise sein Publikum zu locken und einen treuen Besucherstamm aufrecht zu halten. So wird schon die Ticketreservierung, persönlich mit Verweis auf die Gästeliste beantwortet. An der Abendkasse erhält man ein hübsch gestaltetes Ticket und wird sogar vom Veranstalter persönlich begrüßt. Das fühlt sich doch sofort sehr familiär an.

Gelockt hat mich als Bonn Stomp Newbie aber in erster Linie die Band des Abends, Mama Rosin. Das aus der französischsprachigen Schweiz (Genf) stammende Trio ist zwar sehr reisefreudig, jedoch war es in den letzten Jahren fast unmöglich, sie in den mittleren Breiten des Landes sehen zu können.

Dirk Geil, der Veranstalter, kommt im im perfekten Rockabilly-Stil daher und begrüßt seine Gäste am Abend des 22.03. im BLA mit charmanter Anmoderation. Den Abend eröffnet zunächst ein junger Mann aus Würzburg namens „Wild Mustang“. Schmächtig, mit nervösem Blick hinter dezenter Brille wirkt er eher wie ein scheues Pferd oder zumindest ein Physikstudent. Aber nach wenigen Takten wird klar, dass hier jemand mit einer ordentlichen Portion Selbstironie zu punkten weiß. Als One Man Band hilft ihm ein Drumcomputer aus den 60ern, er spielt eine selbstgebaute Gitarre, bedient mit deren Mechanik  etwa vier Tasten eines Keyboards und spannt bei Bedarf auch noch eine Mundharmonica vor.  Zusammen mit dem sehr leiernden, rauchigen Gesang entsteht ein Bündel aus trashigen Blues- und Countrysongs, gemixt mit einer guten Portion Garagenpunk. Der Mann hat einen recht trocken Humor und erntet dafür dicke Sympathiepunkte, musikalisch scharre ich aber nach spätestens drei Songs ungeduldig mit den Hufen in Vorfreude auf den Hauptact.

Mama Rosin spielen seit 2007 ihren bunten, absolut gelungenen Mix aus Stilrichtungen wie Cajun- und Vooodoo- Musik, Folkeinflüssen und Rock. Heute besteht das Trio aus Robin Girod (Gesang, Gitarre, Banjo), Cyril Yeterian (Akkordeon, Gitarre, Geige, Gesang) und Xavier Bray (Gesang, Mundharmonika, Schlagzeug).   Sie legen vom ersten Moment eine solch frische Energie aufs Parket, machen Laune, die ansteckend und darum Stillstehen eine Sünde ist.  Die traditionellen Wurzeln der Cajun-Musik liegen bei französischen Auswanderern, die im 18. Jahrhundert ihre Lieder zunächst nach Kanada brachten, sich später aber wegen politischer Vertreibungen in den Südstaaten, vor allem in Lousianna niederließen und den dortige Musikstil beeinflussten. Spannungsbögen aus langsam-getragenen Melodien und lospreschenden Rhythmen machen, dass das Bla nach wenigen Stücken kocht. Hinzu kommt ein markiger und mehrstimmiger Gesang, der die Stimmung und Energie weiter antreibt. Einziger Wermutstropfen sind die technischen Probleme, die das Bla wohl mit seinem  Equipment hat. Der Sound ist laut und gut, leider wird die Stimme  von Robins Gesangsmikro bei einigen Stücken sehr zerhackt wiedergegeben.

Das Publikum lässt die drei sympathischen Jungs fast nicht mehr von der Bühne und so gerät die Zugabe ausgiebig lang, gefühlt wie eine 2. Hälfte des Konzerts. Da nach 23:00Uhr der Lärmpegel runtergefahren werden muss, sollte das Konzert dann eigentlich enden. Statt dessen folgt nun aber der eigentliche Höhepunkt, denn die Band verlässt mit ihren unverstärkten Instrumenten die Bühne, wandert ins tanzende Publikum und fordert alle zum Mitsingen der Zeile „petit ca fait tout ca …“ … oder so ähnlich – aber egal, für Momente wird das Bla zu einem großen, frohen Familienfest.

Danke BONN STOMP, dass ihr diese geniale Band nach Bonn holen konntet.

Bestimmt bis zum nächsten Mal & stomp on !


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