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Zettel auf dem Boden-Tour: Niels Frevert & Band in Köln

Am 04.November 2011 erschien Niels Freverts Album „Zettel auf dem Boden“ , das er seit dem 07.Dezember im Rahmen einer 10tägigen Tour präsentiert.  Im Vorprogramm spielt der schwedische Songwriter „The Late Call“ alias Johannes Mayer. Am 14.12. machte Niels mit Band im Kölner Club Luxor Station.

Johannes Mayer teilt  leider das ungerechte Schicksal vieler Solo-Support Acts – sein Set wird gnadenlos von den hinteren und mittleren Reihen des Kölner Publikums verquatscht. Dabei schaffen gerade seine schöne, klare Stimme, die leichte Melancholie der Songs und die durchaus dynamischen Pickings ein Bedürfnis nach Stille und Konzentration – so zumindest werden es die drei ersten Reihen der Zuhörer empfunden haben. Der aus Stockholm stammende bärtige Barde präsentiert seine Ansagen in akzentfreiem Deutsch und erinnert optisch frappierend an den Songwriter Ray Lamontagne. Immerhin schafft er es, seine Genervtheit relativ stoisch buchstäblich zu überspielen. Bei denen, die seinem Set folgen können, findet er begeisterten Zuspruch.

Als Niels Frevert mit seiner fünfköpfigen Band die Bühne betritt fällt die Begrüßung dafür umso freundlicher aus. Niels wird begleitet von Stephan Gade am Bass (auch Co-Produzent des Albums „Zettel auf dem Boden“), Tim Lorenz am Schlagzeug, Stefan Will am Keyboard, Martin Wenk (sonst bei Calexico) an Akkordeon, Trompete und Vibraphon, sowie dem Cellisten Ladislav Cinzek.
Niels spielt die ersten drei Songs sitzend auf einem eigens mitgebrachten Hocker, den reichlich Klebeband zusammen hält. „Schlangenlinien“, „Frustrationstoleranz, Herr Frevert“ und der Hit „Du kannst mich an der Ecke raus lassen“ bilden das Warm-up.
Erstaunlich klar, transparent und ausgewogen erreicht der Sound die Zuhörer, was bei der Vielzahl der Instrumente nicht selbstverständlich ist. Herr Frevert ist kein Entertainer und Freund vieler Worte. Um die Gunst des Publikums muss er aber nicht buhlen, sie ist ihm sowieso gewiss. Zu manchen Songs wie „Regenwald“ oder „Wohin hat es deine Sprache verschlagen“ fallen ein paar Sätze, die erklären, an wen diese Stücke adressiert sind. Ein paar charmante Kommunikationsversuche wie „Ihr seht gut aus!“ werden eingeflochten und erwidert, sowie die Beteuerung, sich besonders auf Köln gefreut zu haben. Die Stimmung auf der Bühne wirkt gut, gelassen, die Konzentration bleibt aber stetig beim Programm, das dort auch als „Zettel auf dem Boden“ (Setlist) liegt. Bremsende Pausen zum Stimmen der Gitarren entfallen weitestgehend, weil zwei Stage-Hands im Hintergrund wirken, die Instrumente anreichen oder auch mal eine gerissene Saite wechseln. Man hat den Eindruck, hier arbeitet ein sehr gut eingespieltes Team, das nach einigen Konzerten der Tour souverän aufeinander abgestimmt ist. Da alle Bandmitglieder auch an den Aufnahmen des Albums beteiligt waren, gelingt es, die Qualität der Arrangements (abgesehen von den Streichern, die hier meist auf das Cello reduziert wurden) ohne Einbußen oder Improvisationen auf die Bühne zu bringen.
Es ist fast zu schwierig, musikalische Höhepunkte zu benennen. Als Frevert-Newbie würde die hier Schreibende die Songs „Doppelgänger“, „Aufgewacht auf Sand“ und „Waschmaschine“ hervor heben, letzteres als Trio mit Cello, E-Piano und Niels an der Gitarre gespielt. Beim neusten Single-Hit „Ich würd dir helfen, eine Leiche zu verscharren …“ fällt das Publikum klatschend mit ein, der Song groovt und beschließt das Haupt-Set, das so natürlich nicht enden kann. Als Zugabe singt Niels zunächst solo „Eines flüchtigen Tages Treffen auf der Straße“ und ein wunderschönes „Aufgewacht auf Sand“ (Lieblingslied!) welches Martin Wenk mit schwebenden Klängen aus Vibraphon und Cellobogen begleitet. Nach dessen Ausklingen mag man fast nicht applaudieren, um die wunderbare Stimmung nicht zu zerstören.

Während der letzten Zugaben „Wann kommst du vorbei“ scheint Herr Frevert irgendwie erst richtig anzukommen, blickt in die Menge und lächelt, nimmt einzelne Zuschauer wahr. „Du bist zuhause, Niels!“ ruft jemand aus der Menge und damit scheint ein Bann gebrochen. Den folgenden Hit „Du musst zuhause sein“, der bis an die Schlagerschmerzgrenze eingängig klingt, singt das Publikum mit. Das soll leider auch schon unser Song für die Heimweg bleiben, aber es wirkt wie eine gegenseitige, abschließend herzliche Umarmung. Nach dem Motto: Wenn es am schönsten ist, soll man gehen… aber hoffentlich bis zum nächsten Konzert hier im Sektor!

© A. Mönch-Tabori, Verwendung nach Rücksprache


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