03
Apr
10

Strange Country … chilling with lazy charme

Strange Country  - John E. Flamingeaux, Lola

„Strange Country“ nennt sich das 7-köpfige Musikerkollektiv aus Hamburg um Frontmann John E. Flamingeaux. Am 06.März 2010 erschien ihr erstes, gleichnamiges Album im Eigenverlag bei strange recordings.

Vom klassische Countrybegriff distanziert man sich zwar im Pressetext zum Album und Anlehnungen an Nick Cave, Calexico, Giant Sand oder Tom Waits werden herangezogen, beim Opener „Baby Did A Dirty Thing“ wähnt man sich zunächst jedoch fast im heimeligen Flow eines Slowhanders à la Clapton oder JJ Cales Troubadour.
Beim Suchen von Vergleichen wird man schnell fündig, denn Duett-Klassiker wie Hazelwood/Sinatras „Summerwine“ oder Cave/Minogue´s „Wild Rose“ haben bei You Will Have To Sleep oder bei How Can I Keep From You möglicherweise Pate gestanden.

Obwohl es um Sehnsucht, Liebe und skurile Begegnungen geht wirkt die Performance der Songs unaufgeregt-lässig. Die Leidenschaft schwingt mehr auf der Ebene der Instrumente mit, der singenden Pedal Steel oder der schluchzenden Violine, als in den Stimmen der Protagonisten Lola und John. Dialogwechsel, zwei- und mehrstimminge Vokalparts zaubern feine Melodien in die instrumentale Klangvielfalt.
Charakteristisch ist die spannungsvolle Differenz zwischen Lolas mädchenhaft-feiner, melodischer Stimme, die Johns knarzig, trockenem Bariton umschmeichelt, der dem schnörkellosen Gesang eines Howe Gelb stellenweise durchaus zum Verwechseln ähnlich klingt.
Das breit angelegte Instrumentarium einer klassischen Countrybesetzung aus Gitarre, Banjo, Mandoline, Pedal Steel, Lap Steel, Harmonium, Violine, Kontrabaß und Percussion breitet sich in Strange Country, einer siebeneinhalbminütigen Erzählung teilweise zum vielschichtigen, spannungsreichen Klangteppich aus, wird teils aber auch wunderschön akzentuiert, verspielt eingesetzt.
The Road The Sea wechselt stimmungsvoll instrumentiert zwischen lonesome-Cowboy und Seemanns-Romantik.
Während man zum liebreizenden Julies House noch das Tanzbein schwingen mag, durchbricht die voranpreschende  Bluesnummer Unburden Me mit ihren verzerrten Gitarren-Riffs angenehm rauh das Klima.
Red & Gold verabschiedet den Hörer schließlich mit einer melancholischen-seichten Herbststimmung, die im Nachklang des Gesamteinddrucks das proklamiert „alternative“ ein wenig in Frage stellt.
Ein origineller Song, White Cat, hat den Weg auf dieses Album leider nicht gefunden, ist derzeit aber noch auf MySpace zu hören.

„Strange Country“ ist das bezaubernde Debut-Album einer Band, die auf dem Weg durch den Musikdschungel ihren eigenen Weg geht. Das Potential „alternativ Country“ zu spielen schwingt in vielen Stücken mit, könnte aber individueller umgesetzt werden. In der swingenden Nummer Josephine heißt es: „… thrill me with your lazy charms“, womit Musik und Stimmung des Albums charmant auf den Punkt gebracht wären.


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