02
Dez
09

Daantje and the golden Handwerk – aha

„Ich hab Rhabarber gezüchtet“, so beginnt Daantje and the golden Handwerk alias Joachim Zimmermann seine Versuche im musikalischen Existenzkampf zu umschreiben. Rhabarber!? Ein etwas aus der Mode gekommenes Gemüse, das als Kompott zubereitet ein knirschend, pelziges Gefühl auf den Zähnen hinterläßt. Ähnlich pelzig-knirschend wird man mit den ersten Klängen der EP „AHA“ begrüßt. E-Gitarren bis zum Anschlag verzerrt stellen Gehör und Gehirn kurz auf eine Zähigkeitsprobe, ist diese erst mal überstanden pendelt sich der anfangs so giftige LoFi-Sound ein in einem geruhsamen, hypnotischen Puls, ein ruhiger Strom mit Untiefen, auf dem obenauf Daantjes schnörkellos-melancholische Stimme schwimmt – ein charakteristisches Merkmal der meisten Songs.
Seine Lieder sind bodenständiges Handwerk, da überwiegend akustisch intoniert. Sie handeln vom Musikerdasein, von Lebens-Baustellen und von Liebe. Soviel lassen die assoziativen Bilder aus den teils verschrobenen Texten durchscheinen, in mancher Ecke hockt auch der kleine Wahnsinn und lächelt leise während man sich vom uhrwerkgleichen Ticken der Musik in zustimmendem Mitwippen wiegen läßt. Rhabarber, vergiftete Brunnen, Besen und Schaufel, Rampen, Dämonen… Aha!? – gemeinhin spontaner Ausdruck der Erkenntnis – weicht bei Daantjes Liedern teilweise einer unsicheren Verwunderung. Aber so ist das eben, das Leben. Verstehen oder nicht – aber bloß nicht still stehen.

Fünf Lieder haben ihren Weg auf diese EP gefunden, die sich originell als kleine Vinylscheibe tarnt und bereits seit Ende August gespannt auf Hörer wartet.
„Nicht viel“ das ist Glücksrezept, Liebeserklärung und Ode an die einfachen Dinge des Lebens in Einem. Ein Lied bei dem spätestens mit der ersten „lalalala“-Textzeile ein Lächeln ins Gesicht schleicht. Wunderbar stimmig perlen allein die gezupften Gitarrenakkorde um den ausnahmsweise recht frohen Song. „Nicht viel“ könnte aber auch als Motto über die gesamte Herangehensweise an Daantjes Musik stehen: schlicht, gradlinig, ehrlich, ungeschminkt aber treffend.

„Der Container“, das richtige Lied zum beherzten Ausmisten jeglicher Altlasten, swingt ein wenig eckig-rumpelnd daher und wirkt durch zwei akustische Gitarren, die Percussion und den dominanten Kontrabaß des Gastmusikers Hans Wagner („Das Trojanische Pferd“) schon vergleichsweise üppig instrumentiert.

Das mittlerweile prominenteste Stück der EP „Wer du bist“ wurde irrtümlich oft Musikerfreund und Labelkollegen (Omaha-Records) Gisbert zu Knyphausen zugeordnet, der es als Cover eine Weile auf seiner MySpace-Seite stehen hatte. Dank Gisbert ist die hier Schreibende schon auf manch feine Band aufmerksam geworden, so eben auch auf Daantje &tgH. Dies also die sprödere Originalversion eines eindringlich-ehrlichen Liebeslieds an eine unnahbare Person, in dem man sich unter Garantie irgendwie wiederfindet und beim inbrünstigen Mitsingen des Refrains erwischt.

Zum guten (?) Schluß steht der Aufbruch „Aus der Stadt“, ein Song, der den Hörer gedanklich in einen Bus setzt und zunächst drei Minuten lang durch eine monotone Gitarrenlinie mit fisseligen Fetzen Stadtgeräuschen aus dem Fenster blicken läßt bis die Erkenntnis folgt “Liebling, ich zieh heut aus der Stadt“. Ob Liebling nun zurückbleibt oder dem Aufbruch folgt, wer weiß … „da kommt der Bus“ und man drückt Joachim die Daumen für seine Ziele und eine gute Reise.

Surftips:
Daantje and the golden Handwerk auf MySpace
Daantje bei and the golden Handwerk Omaha Records


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