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Mrz
09

Holmes, sweet Holmes – und Friedemann Weise bekommt Besuch

Zitat kult 41: „Ein Abend ganz im Zeichen des Song“ –

nunja, ein gutgemeinter Versuch einen gemeinsamen Nenner zu finden, einen ganz kleinen. Song und Song, dazwischen lagen weite Welten. Das war ein Programm wie es gegensätzlicher nicht hätte klingen  – und aussehen –  können :

Rasta-Matte vs. Millimeterrasur – 2 vs. 6 – Garagen-Lo-Fi-Sound vs. schwebende Klänge – extrovertierte Lässigkeit vs. introvertierte Schüchternheit … wer findet noch mehr Unterschiede?

Das kult 41 füllte sich zunächst nur schleppend, ein paar Menschen am Merchandising Tisch drehten Däumchen, Gäste, die pünktlich erschienenen, standen noch unschlüssig im Raum. Friedemann Weise hatte netterweise ein paar Promo-Postkarten ausgelegt, deren Lektüre sicher nicht zeitfüllend, doch irritierend genug war, um zumindest Gesprächsstoff zu bieten:

promoweise

Promo-Postkarte Friedemann Weise

 

Gegen 20:20 Uhr entschied sich Friedemann Weise loszulegen, auch wenn man bei etwa 30 Leuten nicht wirklich von großem Publikum reden kann. „Ich bin ja dafür bekannt, daß ich nicht gerade zu den Aufgeregtesten gehöre … aber heute abend sind meine Eltern da…“ gemeint war ein weißhaariges Paar, 60+, daß am Tresen Platz genommen hatte. Wir sollten daher besser erst mal  keine  CD´s kaufen, damit seine Eltern die finanzielle Unterstüzung nicht einstellen.

Ich bekenne mich hiermit des Repertoires seiner CD bislang unkundig , das Debütalbum „Friedemann Weise“ erschien am 28.November 2008, außer dem Song „Rettete“ und dem MySpace-Profil  hatte ich bisher noch nicht das Vergnügen.

Friedemann spielt E-Gitarre, manchmal Bass, sein Kollege Markus Hausmann trommelt dazu auf einem „Kinderschlagzeug“. Bewußt reduziert und temporeich. Der akustische Vergleich, der mir spontan dazu einfiel war der Sound von TRIO („jajaja“, „Los Paul“) aus den frühen 80´ern (27 Jahre her!) ein Vergleich, der aber auch schon anderen eingefallen ist. Als „Hausmann“ anmerkte, an einem Percussioninstrument sein etwas kaputt gegangen, erwidert Friedemann: „Kaputt? Macht nichts, Hauptsache es macht noch Krach bis hinten in die Ecke!“ Neben seiner erfrischend unbekümmerten Art schaut man ihm auch gerne beim Musikmachen zu, denn der Gute hat durchaus akrobatisches Talent für ungewöhnliche Moves.  Eine eigenwillige Choreographie, die auch mal knapp am Abrund des 1,50m tiefen Bühnenrands entlang führt oder die davorstehende Box als Podest einbaut.

Das Publikum spendete angemessen Beifall, „Hollandrad“ wurde gefordert, aber der allgemeine Funke der Begeisterung sprang, wenn überhaupt, zumindest nicht auf mich über. Nach einer guten Dreiviertelstunde war sein Repertoire gespielt und die Anwesenden bestanden nicht vehement auf einer Zugabe.

friedemann1

Nach kurzer Umbauphase betrat dann die 6-köpfige Band HOLMES aus Göteborg/Schweden die Bühne. Ohne weitere persönliche Vorstellung wurde der Raum erst mal in einen anschwellenden Klangteppich gehüllt. Die Aufmerksamkeit des Publikums war ihnen sofort sicher.

Holmes machen Musik mit Elementen aus Folk und Country, dem schwebenden Zusammenspiel der Klänge von pedal steel, Akkordeon und Piano wird viel Raum gegeben. Takte die so lang sind wie tiefe Atemzüge wirken unangestrengt und ungemein entspannend. Die hohe Stimme des Sängers Kristoffer Bolander klingt warm, sensibel aber nie übermäßig emotional. Und sie ist der von Neil Young stellenweise zum Verwechseln ähnlich.
Man wünscht sich lauschend statt des kahlen Ambientes der ehemaligen Fabrikhalle ein gemütliches Sitzmöbel zum Reinlegen her, am besten noch den passenden Mensch zur Seite. Das klingt wie Sondtracks zu ausgedehnten Landschaften, Fahrten über lange, weite Straßen, Flüge über Fjorde und Berge. Kurz: es ist einfach wunderschöne Musik, in die oder zu der man sich irgendwie verlieben kann.

Die einzelnen Bandmitglieder stehen fast statisch an ihren Plätzen, jeder vertieft in sein Instrument. Die Musik hat nichts Eitles, Kompliziertes oder gar Virtuoses, die Melodien und Rhytmen sind einfach und klar strukturiert, aber vielleicht ist es gerade das, was den Hörer freundlich an die Hand nimmt, trägt und einläd, zu verweilen.
Leider habe ich akustisch von dem, was Kristoffer Bolander sagte wenig verstanden, weil er sein schwedisches Englisch so leise, verschüchtert ins Mikro wisperte. Es wäre nett gewesen, wenn er seine Crew mal namentlich vorgestellt hätte. Aber wie gesagt, eitel ist anders.

Die Recherche liefert mir folgendes Line-up: Johannes Björk (E-Gitarre), Johan Björklund (Lap Steel & E-Gitarren), Kristoffer Bolander (Gesang, Gitarre), Daniel Zackrisson (Piano, Mandoline, Gesang) und Betti Velickovic (Akkordeon, Gesang). Fehlt offensichtlich noch ein Bassmann?
Die Band besteht bereits seit 2002, bis 2008 wurden aber nur zwei Alben und eine EP-produziert, man hat keine Eile und der kommerzielle Erfolg scheint auch nicht besonders im Vordergrund zu stehen:
Zitat Holmes (Quelle: Band-Biographie bei Laut.de):

„Wir hatten nie die Absicht, daraus eine große Sache zu machen“, erklärt Johan. „Deshalb bin ich froh darüber, dass sich die Dinge so langsam entwickelt haben. Die wirtschaftliche Seite der Musikbranche mochte ich nie so wirklich, sie ist irgendwie angsteinflößend. Es wäre schön, wenn wir uns auf demselben Weg weiter entwickeln und Stück für Stück mehr Zuspruch bekommen könnten.“

Das Album Wolves (VÖ 31.10.08) hat in deutschen Musikmagazinen durchaus lobende Kritiken bekommen, so zu lesen bei Laut.de, Rote Raupe, crazewire.

Auf der Homepage von Holmes kann man sich restlos alle Stücke anhören, downloaden und als Player einbinden. Hier mal das erste Stück vom aktuellen Album und dem Konzert:

Mag sein, daß ich beim Schreiben etwas ins Schwelgen gerate, aber ich bin mir sicher, das Publikum im kult41 hat das an dem Abend mindestens genauso empfunden. Der Sänger wollte brav um 22:00Uhr zum Ende kommen, aber einem „there´s still lot´s of time“-Zuruf folgte immer wieder rhytmischer Applaus und drei weitere Zugaben.

Die Termine der Europatour:

25.Mrz.2009 20:00 Objekt 5 Halle (D)
26.Mrz.2009 20:00 Paris Syndrom Leipzig (D)
27.Mrz.2009 20:00 Kult 41 Bonn (D)
28.Mrz.2009 20:00 Elfer Frankfurt (D)
29.Mrz.2009 16:00 Kohi Karlsruhe (D)
30.Mrz.2009 20:00Fatal Landau (D)
31.Mrz.2009 20:00 Channel Zero Ljubljana (SI)
01.Apr.2009 20:00 The Office Graz (AT)
02.Apr.2009 20:00 Vorstadt Wien (AT)
03.Apr.2009 20:00 Herbert Baden (CH)
05.Apr.2009 20:00 Dimensione Winterthur (CH)
08.Apr.2009 20:00 Bar Sartea Vicenza (IT)
09.Apr.2009 20:00 Locomotiv Bologna (IT)
10.Apr.2009 20:00 Arci Valverde Forlì (IT)
12.Apr.2009 20:00 Südstadt München (D)
13.Apr.2009 20:00 Yacht Brno (CZ)
14.Apr.2009 20:00 Societätstheater Dresden (D)
15.Apr.2009 20:00 Haus 73 Hamburg (D)
16.Apr.2009 20:00 Schokoladen Berlin (D)
17.Apr.2009 20:00 Limes Köln (D)
18.Apr.2009 20:00 TBC Bielefeld (D)
19.Apr.2009 20:00 Loppen Köpenhamn (DK)

Ich werde mir Holmes in Köln nochmal ansehen – vielleicht haben sie sich dann eine Prise mehr Selbstbewußtsein erspielt.

Hier ein paar Fotos, meine Kamera gibt leider nicht mehr her:

holmes2
holmes5
holmes6


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