23
Mrz
09

Strom und Wasser, Positano, Christian Bartel und ANIKA im Kult41

Ein Abend mit Strom und Wasser und Gästen

oder das musikalisch-literarische 3-Gänge-Menue

Heinz Ratz – Gründer und Kopf der Band Strom und Wasser – ist Musiker, Poet, Buchautor, Kabarettist, Überlebenskünstler, Weltenreisender, politischer Aktivist … um nur kurz mal anzureißen, womit sich das Leben dieses umtriebigen Menschen in seinen 40 Lenzen bereits gefüllt hat.
Über ihn ließen sich sicher Bände füllen. Er selbst als manisch produktiver Mensch tut das aber sicher besser als ich es je könnte. Kleine Selbstdarstellung gefällig?

El „Ratz“ – so betitelt er sich selbst auf seiner Hompage – ein süddeutscher Begriff für die Ratte: ein Tier aus der Gosse, die Augen gerichtet aufs Unheilvolle.

Dies ist seine Perspektive, aus der er die Welt beschreibt, selbst erlebt (hat) und nicht nur mit verbaler Kritik angeht.

Heinz Ratz ist quirlig, unbequem, tritt in den Hintern, klagt Resignation und Duldertum an, will nicht stehenbleiben, gibt sich nicht geschlagen und stemmt neben seinem musikalischen Schaffen auch Projekte wie den Lauf gegen die Kälte, ein in 2008 gestarteter Marsch gegen die zunehmende soziale Kälte – oder aktuell das Flussprojekt „Die Lee(h)re“ der Flüsse“, eine Inititative in Kooperation mit dem BUND e.V. gegen Umweltverschmutzung.
Es sind immer Maßnahmen, die bewußt abseits aller etablierten Strukturen organisiert werden, die jeden aufrufen, sich zu engangieren. Protestaktionen unter vollkommenem Einsatz der eigenen Gesundheit und Kräfte.
Ganz klar, Heiz ist und lebt Punk.

Woher nimmt man bloß soviel Energie? Zumal „el Ratz“ dem Teufel im Gewand der heimtückischen Krankheit Krebs schon dreinmal von der Schippe sprang. Offensichtlich ist es genau diese Erfahurng der Endlichkeit, die ihn motiviert, nicht still zu stehen:

„Wenn der Tod deine Nähe sucht, denkst du mehr über das Leben nach. Was kann ich da noch Sinnvolles tun. Was kann ich den Menschen mehr geben als nur Worte. Ich habe ja immer schon engagierte Texte gemacht. Aber dann verglich ich mich mit einem Sozialarbeiter und dachte, du tust im Grunde nichts, bekommst auch noch Applaus, die anderen gehen leer aus.“ Der Drang zur Tat wurde unwiderstehlich. (Januar 08)

Quelle: Der Westen

Der gestrige Abend im Kult 41 wurde angekündigt mit drei Acts: der Band Strom und Wasser, Positano und dem Autor Christian Bartel.
Personelle Engpässe führten wohl dazu, daß das gebotene Programm ein wenig anders ausfiel als geplant, was der guten Stimmung aber keinen Abbruch tat.
Zum korrekten Konzerttermin um 20:00Uhr gab es noch recht viel frische Luft im Raum, das sollte sich aber nach wenigen Minuten ändern. Eine halbe Stunde später war das Kult41 gut besucht, schätzungsweise 70 – 100 Zuhörer fanden sich ein.

Als Appetizer des Abends spielte ein Duo (Akustikbass und Gitarre), das sich vorstellte als „Mike und der Doktor“. Für unbedarfte Zuhörer sei ein Warm-Up vor dem Hauptact nötig, so der Sänger Mike Godyla. Nach drei Liedern: Der Krieger – Brötchen holen – Strom und Wasser – und kaum einer Viertelstunde folgte schon das Hautpgericht „Strom und Wasser“.

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Mike und der Dr.

 

 

Deren aktuelle Besetzung bestand aus Frontmann Heinz Ratz (Bass, Gesang), Enno Dugnus (Piano) und einem brillianten Percussionisten namens Claudio Spieler.
Die Musik dieser Band ist quirlig wie ihr Frontmann: Melodien, die gerne und sowieso gegen die üblichen Regeln der Hamonie anspielen. Stets temporeiche, preschende und stolperde Rhytmen aus Ska, Polka, Jazz und Dreiviertel- und sonstwiekomplizierten Takten lassen die Zuhörer von der ersten Minute an nicht still stehen. Überhaupt ist die gesamte Instrumentalisierung der Band auf den Rhythmus ausgelegt, das Piano akzentuiert mit Akkorden, Heinz spielt 5-seitigen Bass mit zugetapetem Schalloch und die Persussion würzt und treibt mit unglaublicher Vielfalt an Klangfarben. Da wippt der Iro, da fliegen die Dreatlocks, das Publikum schwingt Boots und Ellenbogen, die Markenzeichen der linken Szene sind unverkennbar.
Die Gesangsstimme von Heinz ist oft düster, rauchig, kehlig, hat ein gewisses Tom Waits-Timbre und klingt so anders als seine normale Sprechstimme, daß mich das Gefühl beschleicht, da wohnt ein anderer Ratz in diesem Kerl, der giftig-gallig-böse auf die Welt rotzt. Und das tut er mit einem Schwall ballaststoffreicher Texte, die im rasenden Tempo der Musik beim ersten Hören fast kaum vollständig aufgenommen werden können. Was wiederum förmlich zum Kauf der CD´s auffordert, alle Bookletts sind übersichtlich mit Texten versehen. Außerdem sind zahlreiche Gastmusiker am Werk, die mit Cello, Posaune, Flöte schöne Klangtupfer in den „meltig Pot“ zaubern. Bei Traumton gibt´s Cd´s zu kaufen und alle Termine der nächsten Zeit im Überblick.

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Heinz Ratz, Enno Dugnus

 

Heinz Ratz, Enno Dugnus

Heinz Ratz, Enno Dugnus

Die Setlist von Strom und Wasser im Überblick, man verzeihe kleinere Fehler, nicht alle Liedtitel sind mir geläufig:

Emotionsdesign (vom neuen, gleichnamingen Album)
Gut Gut

Exkurs: Geschichte vom antroposophischen Alkoholikerheim
Leisetreter
der politisch korrekte Tanz
Präsident
Farbengeil
Exkurs: Schwank aus dem Leben: von Bonn nach Pforzheim
Mike und der Reaggea für Studenten
CDU-Tango
Lied vom Lied  – eines meiner Lieblingslieder, aus dem ich hier mal zitieren möchte:

Was kann das Singen schon in einer Zeit bewirken die so grau und glatt geschliffen ist, und keine feinen Ohren hat?

Die schlafende Armut

Herz aus Stein
Mein & Dein

497
Exkurs: wie aus einem braunen Ratz ein roter wurde! eine königliche Story
Rios Herz

Das Antierziehungslied

 

Der Auftritt war der Abschluß einer 14-tägigen Tournee der Band und man hätte meinen können, die Spielwut war angesichts des vorerst letzten Auftritts besonders groß, Heinz Ratz kaum mehr zu bremsen..
Gegen 21:45 folgte die erste Zugabe:
Träumerchen
Panzerfahrer Jupiter
Ranfigurenkabinett
Exkurs:  noch eine kurze Vorstellung des Projekts „Die Lee(h)re der Flüsse“, das am 07.06. im Pantheon Bonn Station macht, mit Götz Widmann als Gast.
Und weils thematisch so gut dazu paßt : Die Elbe

– finally
die Große Mondpolka

Zum Abschluß noch ein selbst aufgezeichnetes  Video von dem Lied „Die schlafende Armut“

Damit die weiteren Akteure des Abends auch noch zum Zuge kamen räumte die Band gegen 22:20 die Bühne – zunächst im Tausch gegen eine Bierbank, auf der dann hübsch aufgereiht Positanos Sänger mit Gitarre, Christian Bartel und die Sängerin Anika Auweiler (a.k.a. ANIKA) Platz nahmen.

Was nun folgte war wie süßer Nachtisch zu einem schweren Hauptgang.
Im Wechsel gab es je ein Stück von Positano, ein Schwank von Christian Bartel und ein Lied von ANIKA. Besonders überzeugen in dieser lockeren Melange konnte dabei Christian Bartel mit seinen höchst lustigen, ein teils kindliches Gemüt offenbarenden Texten über den rauchenden Hypochonder im Angesicht des Todes, die Zwangsbesuch bei der ungeliebten Oma „Frau Pichelstein“, den perfiden Büchertausch am Beispiel der Kinderbuchgeschichte „Panama“, und der Klappentext zur eigenen Person, der in einer Orgie des Größenwahns gipfelt. Sehr empfehlenswert!

drei

ANIKA - Christian Bartel - Positano

Christian Bartel liest

Christian Bartel liest

Die Sängerin ANIKA, die sich selbst mit Gitarre begleitete, überzeugte mit brilianter Stimme, sympatischer Ausstrahlung und schönen Liedern über Sinn und Sein.
Alles in allem ein gelungener Abend mit viel Kultur für kleines Geld. Das Kult41 avanciert zu meinen Lieblingsläden, ein wirklich sehr zu empfehlendes Programm, und eine feine Location für Musik, Ausstellungen, Kino, Theater und Lesungen.

p3210816

Hochstadenring 41, Bonn


1 Response to “Strom und Wasser, Positano, Christian Bartel und ANIKA im Kult41”


  1. 31. Mai 2009 um 13:23

    yeah Hein Ratz rockt ^^


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