01
Dez
08

Tom Waits und der Weihnachtsblues

Meiner unweihnachtllichen Stimmung sei´s gedankt, daß mein schweifender Blick durchs CD-Regal gestern auf einem Album von Tom Waits hängen blieb: „Rain Dogs“ . Wann hatte ich mir die Scheibe eigentlich gekauft?! Meine erste und einzige Waits CD, muß so um 2000 rum gewesen sein. Hab sie selten gehört. Damals war das eher so ein „muß-man-auch-haben“-Kauf. Und ich erinnere mich vage, daß mir seine Musik früher einfach zu krank erschien.

Ausgerechnet zum Advendssonntag mußten sich meine Mitbewohner also diese herzerfrischend versoffenen Kompositionen gefallen lassen.

Beim Recherchieren nach Hintergrundinfos merke ich, daß der Mangel an Waits CD´s hier mal behoben werden müßte. Ha! – kommt auf meine Weihnachtswunschliste.

Meine Lieblingssongs von „Rain Dogs„, erschienen 1985, sind „Gun Street Girl“ und „Jockey Full Of Bourbon„. Aber hoppla – hatte ich beim Hören nicht ein Déjàvu-Erlebnis besonderer Art?
Bei letzterem Stück finde ich große Parallelen zu einer meiner deutschen Lieblingsbands FINK. Und auch die alkoholgetränkte Stimme eines Sven Regener (Element Of Crime) wirkt auf mich stellenweise wie das deutsche Pendant.

Seltsam, hätte ich doch öfter mal reinhören müssen. Nunja mein Musikgeschmack hat sich im Laufe der Jahre großräumig geändert und spezialisiert.
Was mir früher absolut nicht in die Ohren wollte, findet heute Gefalllen, den meisten Hörproben gebe ich mehrere Chancen. Hat vielleicht einfach auch was mit dem selbst Erlebten zu tun, mit Gefühlen, Erfahrungen, Sinn und Unsinn – genannt Leben.
Kinder mögen ja auch keine Oliven oder Chillies. Später gewinnt man einfach mehr Gefallen an Bitterkeit und Schmerz und dem Umgang mit ihnen.

Die Biographie von Tom Waits ist schlichtweg zu umfangreich, als das ich sie hier auch nur angemessen darstellen könnte. Tom wurde 1949 geboren, entdeckt wurde er 1971, das Debütalbum veröffentlichte er 1973, sein letztes Album erschien 2006. Im Laufe seines Schaffens hat er mit vielen bekannten Größen wie Bette Midler, Frank Zappa oder Iggy Pop zusammengearbeitet. Musikalisch ist er immer jenseits jeder Schublade gelaufen, seine Wurzel liegen nach eigenen Angaben bei Bing Crosby, Perry Como oder George Gershwin und Cole Porter. Außer Bob Dylan konnte er der Musik seiner Jugendzeit, den 60´ und 70´er Jahren, wenig abgewinnen.
Zu Beginn seiner Musikerkarriere bestimmten musikalischen Traditionen des Blues, Country und Jazz seine Kompositionen, prägend für seinen Stil wurde aber später eigenwillige Arrangements und unkonventionelle Verwendung von Instrumenten und sonstigen Gebrauchsgegenständen.
Die gesanglichen Facetten reichen von leise nuschelig über rauchig schleppend, bis hin zu Growlen und Grunten, wie es selbst Metal-Fans Achtung verschaffen dürfte. Die Geschichten seiner Lieder handeln häufig von den Einsamen, abgestürzte Existenzen, deren Heimat der Kneipentresen ist.

Bei dem Lebensstil, den man seiner Musik ja mehr als anhört, sprich Zigaretten und Alkohol in ordentlichen Mengen, eigentlich ein Phänomen, daß er die 30 produktiven Jahre überlebt und stetig Musik gemacht hat. Wer dermaßen strack auf der Bühne steht läßt in meinen Augen mythosgleiche Schicksale wie das eines Jimi Hendrix oder Jim Morrisson fast verblassen. Auch saufen will gekonnt sein.

Erst in den letzten vier Jahren sind seine Live-Auftritte rar geworden.

Wer das Leben des Tom Waits genauer unter die Lupe nehmen möchte findet in der gerade erschienene Biographie von Patrick Humphries: „Die vielen Leben des Tom Waits“ (Bosworth Musikverlag, Berlin 2008) sicher viel Lesenswertes.
Bei FAZ.net wurde diese Biographie jüngst erst rezensiert im Beitrag „Als der Hüftschwinger kam“.
Auch sehr informativ ist diese zweiteilige Biographie auf cosmopolis.ch.

Die Ausbeute nach brauchbaren Videos zu meinen Lieblings-Songs fiel leider nicht sehr reichhaltig aus, der Live-Sound ist oft so schlecht, daß nur Klangbrei ankommt. Das erste Video hat wenigstens gute Klangqualität.
Ich hab mir noch ein anderes, feines, sparsam instrumentalisiertes Stück ausgesucht, daß einen Eindruck von Waits Performance vermittelt und – man verzeihe mir die Blasphemie – meine Stimmung auch gut trifft „Chocolate Jesus“.

Viel Vergnügen damit.

Jockey Full Of Burbon

Chocolate Jesus


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